Monatstipp

Heisse Wintertipps

„Winterzeit - Unfallzeit“, das muss nicht sein. Hier einige Tipps, damit Sie und Ihr Auto auf den Winter gut vorbereitet sind:

Bereifung:

Winterreifen gehören nicht nur auf die Antriebsräder, sondern auf alle vier Räder, weil beim Bremsen und in Kurven die beste Haftung aller vier Räder benötigt wird. Wer im Winter ohne entsprechende Reifen fährt, spart am falschen Ort und riskiert Kopf und Kragen - auch der andern.

Sicht:

Saubere Scheiben (Front-, Heck- und Seitenscheibe), Rückspiegel, Scheinwerfer und Rückstrahler erhöhen die Sicht und garantieren, gesehen zu werden - fahren Sie generell mit Licht. Verwenden Sie Scheibenreiniger mit Frostschutz. Die grellen Nebelschlussleuchten allerdings nur bei Nebel und starkem Schneetreiben und bei Sicht unter 50 Meter einschalten.

Nebel:

Hängen Sie Ihr Leben nie an ein Rücklicht. Sich auf Haupt- und Nebenstrassen nicht an der Leit- oder Sicherheitslinie, sondern an den Leitpfosten orientieren. Optische Täuschung bedenken. Bei Nebel erscheint der Vordermann weiter weg, als er ist.

Ketten:

Ketten an gedeckten Plätzen und nicht an festgefahrenen Fahrzeugen montieren, da nur gut befestigte Ketten eine wahre Hilfe sind. Montageort rechtzeitig suchen! Bei Allradantrieb Ketten gemäss Bedienungsanleitung des Fahrzeuges montieren. Nicht über 50 km/h fahren. Die Montage neuer Ketten am besten mal zuhause in aller Ruhe ausprobieren.

Spikes:

In Regionen mit oft schnee- und eisbedeckten Fahrbahnen sind Spikesreifen eine optimale Lösung. Höchstgeschwindigkeit 80 km/h, nur in der Zeit vom 1. November bis zum 30. April zugelassen, die Benützung von Autobahnen und –strassen ist verboten (ausser Thusis – Mesocco und Göschenen – Airolo)

Anfahren:

Im Schnee und auf glatter Fahrbahn im 2. Gang mit wenig Gas sanft einkuppeln und langsam anfahren. Lieber den Motor einmal "abwürgen" statt mit durchdrehenden Rädern Glatteis zu bilden. Vorzugsweise in hohen Gängen, nicht zu schnell fahren. Denn je weniger Kraft ein Rad auf die Strasse abgibt, um so geringer ist die Durchdrehgefahr. Einmal festgefahren den Wagen aufschaukeln um sich eine eigene Fahrspur zu legen. Differentialsperren können den Vortrieb verbessern, in den Kurven ist dann die Stabilität jedoch geringer.

Lenken:

Auf glatter Fahrbahn weich, das heisst sanft lenken, denn der Wagen reagiert hier nur langsam auf Lenkbefehle. Ruckartige Lenkbewegungen verursachen Haftverlust auf den Vorderrädern und enden in einer Rutschpartie.

Geradeausfahren:

Im grösstmöglichen Gang und mit viel Fingerspitzen- bzw. Zehenspitzengefühl fahren. Weit vorausschauen, brüske Brems- und Beschleunigungsmanöver vermeiden, und heikle Passagen ohne schalten zu müssen im vorher gewählten Gang befahren. Bergauffahrende Autos haben Vortritt, denn am Berg anfahren ist schwieriger als bergab weiterfahren.

Kurvenfahren:

Vor Kurvenbeginn die langsamste Geschwindigkeit wählen. Denn die Fliehkraft ist von der Masse, dem Quadrat der Geschwindigkeit und dem Kurvenradius abhängig. Mit 50 statt 40 km/h durch die gleiche Kurve zu fahren, bewirkt 56% mehr Seitenkraft die nach aussen zieht. Schaltvorgänge und Geschwindigkeitsänderungen sollten deshalb in der Kurve unterlassen werden. Wenn schon dann vor und nicht in der Kurve.

Geschwindigkeit:

Das Tempo muss für alle Fahrzeuge im Winter heruntergesetzt werden. Der Bremsweg ist gut 4mal, auf Eis bis zu 16mal länger als auf trockener Strasse. Entsprechend ist auch der Abstand zum Vorderwagen zu verdoppeln bis zu vervierfachen.

Normalbremsung:

Die Bremse mit Gefühl betätigen. Räder die viel Verzögerungsarbeit leisten müssen lenken schlechter. Ohne ABS können die Räder blockieren und das Fahrzeug ist dann nicht mehr lenkbar. Mit der Haftreibungsbremstechnik, diese ist in Fahrkursen unter kundiger Leitung zu trainieren, erreicht man die besten Resultate. Ziehen der Handbremse oder Motorbremswirkung auf den Antriebsrädern (ruckartiges Wegnehmen des Gas) erhöhen das Schleuderrisiko, da nur (Ausnahme Allradantrieb) die Räder einer Achse abgebremst werden. Mit Probebremsungen kann man sich ein gutes Bild über die jeweiligen Haftverhältnisse machen (Achtung auf nachfolgende Fahrzeuge).

Notbremsungen mit ABS:

In Notfällen mit aller Kraft auf das Bremspedal treten und auskuppeln. Mit ABS bleibt das Fahrzeug lenkbar. Mit ABS muss auf losem Schnee evtl. mit einem etwas längeren Bremsweg gerechnet werden. Die Vorteile vom ABS liegen in der optimalen Richtungsstabilität und der gewährleisteten Lenkbarkeit des Wagens während des Notbremsvorgangs. ABS hilft auf normalen Strassen, allerdings nur beim kräftigen Drücken des Bremspedals, den kürzest möglichen Bremsweg zu erreichen. In Kurven nützt ABS nur dann, wenn die Kurvengrenzgeschwindigkeit nicht überschritten ist.

Notbremsungen ohne ABS:

In absoluten Notfällen, also wenn keine Rettung der Lage mehr möglich ist, mit aller Kraft auf das Bremspedal treten und auskuppeln. Ohne ABS blockieren die Räder. Auch wenn das Fahrzeug ins Schleudern gerät behält es die ursprüngliche Richtung bei. Bei Bedarf durch Zurücknehmen des Bremsdrucks in eine Haftreibungsbremsung übergehen und Spurkorrekturen vornehmen. Dies ist ohne vorgängiges Training ein schwieriges Unterfangen.

Ausweichmanöver:

Muss einem überraschend auftauchenden Hindernis ausgewichen werden, so ist der sicherste Fluchtweg zu wählen. Augen dorthin richten und dosiert lenken.

Schleudern:

Gerät das Fahrzeug ins Schleudern hilft nur blitzschnelles Gegenlenken. Aufgrund der grossen Lenkübersetzungen muss sehr viel gelenkt werden! Kommt das Fahrzeugheck wieder zurück muss wieder blitzschnell in die Neutralstellung zurückgelenkt werden, sonst bricht das Heck auf die Gegenseite aus. Mit ABS sofort bremsen, wenn das Heck ausbricht.

Fahrzeug in Volldrehung:

Hart auf die Bremsen, auskuppeln und warten bis das Fahrzeug steht. Keine unkontrollierten Lenkbewegungen und bei erreichtem Stillstand die Bremse lösen und sofort aus der Gefahrenzone wegfahren.

Fahrzeug rutscht:

Wenn das Fahrzeug an den Vorderrädern Haftung verliert, beim Frontantrieb sofort Kupplung drücken, beim Heckantrieb und beim Allrad sofort Gas wegnehmen. Gewünschte Fahrtrichtung (evtl. Fluchtweg) ins Auge fassen und dorthin lenken.

Parken:

Am Ziel angelangt das Fahrzeug nicht einfach verlassen, sondern die Wegfahrt vorbereiten. Wegfahrtrichtung gut wählen, Handbremse nicht anziehen, besser 1. Gang oder beim Automaten "P" einlegen, und das Fahrzeug gegebenenfalls mit einem Keil sichern) sie kann einfrieren. Scheibenwischer vor dem Festfrieren schützen und aufstellen. Allenfalls Scheiben abdecken. Die Schneeräumer bzw. den Verkehr nicht unnötig behindern.

Steckenbleiben:

Hektik und Vollgas helfen beim festgefahrenen Wagen nichts. Behutsames Gasgeben, Schaukeln, Anfahren im 2. Gang mit schleifender Kupplung haben mehr Chancen. Zur Not Ketten oder Anfahrhilfen montieren, Bodenteppiche unterlegen, Antriebsräder belasten, Fahrspur freischaufeln, mit Streugut Belag griffiger machen. Bei Heckantrieb die Vorderräder gerade stellen, bei Vorderradantrieb Räder während Anfahrphase abdrehen.

Üben:

Das Fahren unter erschwerten, winterlichen Bedingungen erfordert neben Geschick vor allem Übung und die entsprechende Einstellung der AutomobilistInnen zur Verkehrssituation. Driving Center Schweiz bietet weitere anerkannte Weiterbildungskurse für jede Anforderung und Stufe ganzjährig an.

© Driving Center Schweiz - überarbeitet im November 2011